Inhaltsverzeichnis
So wird's gemacht
Reifegradmodelle helfen Unternehmen oder einzelnen Arbeitsgruppe, ihren Status quo bezüglich eines ausgewählten Aspekts (z. B. Digitalisierung) zu bestimmen und ihre Leistungsfähigkeit durch die Betrachtung kontextabhängiger Dimensionen innerhalb eines klar definierten Modellrahmens zu reflektieren (Becker et al., 2009; Poeppelbuss & Roeglinger, 2011). Sie definieren aufeinander aufbauende Entwicklungsstufen bzw. -pfade „beginnend in einem Anfangsstadium bis hin zur vollkommenen Reife.“ (Knackstedtet al., 2009). Daraus lassen sich Maßnahmen für eine Verbesserung ableiten (Poeppelbuss & Roeglinger, 2011).
Das Social Business Reifegradmodell wurde auf Datenbasis einer Studie über den Einsatz interner sozialer Netzwerke in Unternehmen entwickelt (Schiller & Zinke-Wehlmann, 2019). Es handelt sich um einen Ansatz zur ganzheitlichen Beschreibung und Erklärung der Beziehungen und Korrelationen zwischen den vielfältigen Aspekten von Social Business und seinen Auswirkungen auf die Transformationsprozesse einer Organisation. Das übergeordnete Ziel dieses Modells ist, das Verständnis dieser Zusammenhänge und den Erfolg bzw. die Nutzung kollaborativer Instrumente in Unternehmen zu verbessern. Es dient Unternehmen als Orientierungshilfe für die Neuausrichtung der Unternehmensstrategie, um systemische Lücken zu identifizieren und realisierbare Zielstellungen zu formulieren.
.png)
Im Modell (Abbildung 1) werden fünf Dimensionen mit jeweils vier Ausprägungen definiert, die einen besonderen Stellenwert zur Festlegung der digitalen Reife einer Organisation einnehmen. Die Dimensionen sind den entsprechenden Ebenen des Mensch-Technik-Organisation-Konzeptes zuzuordnen.
Die vorangeschrittene Reife hin zum Social Business wird im Modell von innen nach außen visuell dargestellt. Dadurch werden Schwachstellen direkt visuell sichtbar. Dies ist etwa der Fall, wenn eine Dimension deutlich zentraler verortet ist oder aber den anderen klar vorauseilt.
Das Unternehmen wird anhand des Self-Assessments mit Leitfragen zu jeder der drei Ebenen (Technik-Mensch-Organisation) dabei angeleitet, den Ist-Zustand der Reife in Bezug auf Social Business innerhalb seines Unternehmens zu bestimmen.
- Ebene: Die Technik
Die technische Infrastruktur, die aus Unternehmenssicht leicht überprüfbar ist, dient hier als Ausgangspunkt für den Wandel hin zum Social Business. In diesem Bereich ist zu überprüfen, welche Technologien in den jeweiligen Arbeitsprozessen verwendet werden. Umfang und Integration von Social Software und Social Media geben Aufschluss über den technischen Rahmen, den ein Unternehmen bietet, um eine kollaborative Arbeitsumgebung zu schaffen. Der Grad der Einbindung sozialer Technologien prägt die digitale Kommunikation und Zusammenarbeit und bildet somit die Grundlage von Social Business. - Ebene: Der Mensch
Das Ausmaß, in dem die angewandten Technologien für kollaborative Prozesse innerhalb des Unternehmens (und darüber hinaus) verwendet werden, ist ein weiterer Indikator für die Reife eines Social Business. Der Mensch als Individuum und Teil einer Arbeitsgruppe muss sich über die Funktionalitäten und seiner persönlichen Rolle im Social Business gewahr sein (Schiller & Zinke-Wehlmann, 2019). Oft zählen gerade das fehlende Bewusstsein für die Relevanz von Kommunikations- und Kollaborationsprozessen und eine daraus resultierende geringe Akzeptanz zu den entscheidenden Hemmnissen einer nachhaltigen Implementierung von Enterprise Social Networks (ESN). Mitarbeitende müssen über den Nutzen von Social Business erkennen, um so aus der individuellen Bereitschaft heraus an den angestrebten Kollaborationsprozessen aktiv zu partizipieren. Auch der Aufbau von Kompetenzen (hinsichtlich Toolnutzung, Kollaboration und Kommunikation) ist hierbei von Relevanz. Formale hierarchische Strukturen treten mit zunehmender Reife in den Hintergrund und weichen egalitäreren und integrativeren Kommunikationsstrukturen (Riemer et al., 2015). - Ebene: Die Organisation
Der dritte Grundpfeiler von Social Business ist die Organisation. Hier müssen vor allem unternehmenskulturelle Aspekte betrachtet werden. Kollaborative Prozesse, im Sinne einer Nutzung sozialer Medien und Netzwerke gehen mit der Notwendigkeit eines Verständnisses und einer strategieorientierten Definition von Rollen und damit auch Verantwortlichkeiten einher. Rahmenbedingungen, die zudem zu einer erfolgreichen Umsetzung von Social Business beitragen, sind eine angemessene Arbeitsgestaltung, die Beachtung von geeigneten, möglichst wenig restriktiven Führungsprinzipien und eine Empowerment-Kultur.
Die Beurteilung der Social Business Reife eines Unternehmens oder einer Organisation dient dem Aufzeigen von Handlungsbedarf, um das volle Potenzial sozialer Technologien und kollaborativer Arbeit in Organisationen und Organisationsverbünden ausschöpfen zu können. Der besondere Wert des Reifegradmodells liegt im Sichtbarmachen von Schwachstellen, sowie einer erleichterten Gegenüberstellung von Ist- und Soll-Zuständen.
Tipp
Das Modell kann als wiederverwendbares Messinstrument verstanden werden, welches einerseits den Verlauf der Transformation veranschaulichen, aber auch um den Ausgangspunkt für weitere Iterationen des Wandlungsprozesses abbilden kann.