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So wird's gemacht
So wird's gemacht
Paper Prototyping ist ein niedrigschwelliger Ansatz für die Gestaltung. Das Ziel ist nicht ein fertiges Produkt, sondern Ideen früh sichtbar zu machen. Gemeint ist ein konkreter Entwurf, über den diskutiert, der verändert und der verworfen werden kann. Gerade bei KI-Systemen ist dieser Schritt entscheidend, denn eine KI trifft Entscheidungen, die für Nutzende oft nicht nachvollziehbar sind. Die Frage "Wie erklärt das System, was es tut?" ist deshalb keine Implementierungsaufgabe am Ende. Sie ist eine Gestaltungsfrage von Beginn an.
Die Methode geht auf frühe Arbeiten im schnellen Prototyping zurück und wurde als niedrigschwelliger Ansatz für die Gestaltung interaktiver Systeme populär.
Schritt 1: Problem formulieren
Beschreibt konkret, welche Situation oder Entscheidung der KI die Oberfläche abbilden soll. Aus wessen Perspektive wird die KI genutzt? Welche Information braucht diese Person? Was fehlt ihr derzeit?
Schritt 2: Lösungsidee entwickeln
Überlegt, welche Art von Erklärung sinnvoll wäre (kausal, kontrastiv oder beispielbasiert). Legt fest, zu welchem Zeitpunkt sie erscheinen soll und in welcher Form Nutzende damit interagieren können. Es genügt, eine Richtung zu wählen. Nicht alle Optionen müssen abgedeckt werden.
Schritt 3: Oberfläche skizzieren
Zeichnet den Hauptbildschirm mit der KI-Empfehlung und der gewählten Erklärungsform. Pfeile oder Anmerkungen helfen, Zustandswechsel oder ergänzende Ansichten anzudeuten. Das Medium ist frei: Papier, Whiteboard oder ein digitales Zeichenwerkzeug. Entscheidend ist die Geschwindigkeit, nicht die Optik.
Schritt 4: Gestaltungsentscheidungen dokumentieren
Haltet schriftlich fest, welche Entscheidungen ihr getroffen habt und warum. Was zeigt die Oberfläche, was zeigt sie nicht? Welche Annahmen über Nutzende stecken im Entwurf?
Schritt 5: Feedback einholen
Zeigt den Entwurf Personen, die die Nutzungsperspektive einbringen. Idealerweise kommen diese Personen nicht aus dem Gestaltungsteam. Stellt offene Fragen: Was passiert hier? Was würdest du als nächstes tun? Was fehlt dir?
Tipp
- "The uglier, the better": Bewusst unperfekte Skizzen ermutigen zu ehrlichem Feedback. Hochpolierte Entwürfe hemmen die Bereitschaft, grundlegende Kritik zu äußern.
Referenzen
- Liao, Q. V., Gruen, D., & Miller, S. (2020). Questioning the AI: Informing Design Practices for Explainable AI User Experiences. CHI 2020, 1–15.
- Miller, T. (2019). Explanation in Artificial Intelligence: Insights from the Social Sciences. Artificial Intelligence, 267, 1–38.
- Rettig, M. (1994). Prototyping for Tiny Fingers. Communications of the ACM, 37(4), 21–27.
- Schoonderwoerd, T. A. J. et al. (2021). Human-Centered XAI: Developing Design Patterns for Explanations of Clinical Decision Support Systems. International Journal of Human-Computer Studies, 154, 102684.
- Shneiderman, B. (2020). Human-Centered Artificial Intelligence: Reliable, Safe & Trustworthy. International Journal of Human-Computer Interaction, 36(6), 495–504.
- Simonsen, J. & Robertson, T. (Hrsg.) (2012). Routledge International Handbook of Participatory Design.Routledge.
- Snyder, C. (2003). Papierbasiertes Prototyping: The Fast and Easy Way to Design and Refine User Interfaces. Morgan Kaufmann.